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Fabians Geburt - wie ich sie erlebte

 
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Carola



Anmeldedatum: 23.03.2007
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 16:52    Titel: Fabians Geburt - wie ich sie erlebte

Bevor ich hier den Geburtsverlauf aus meiner Sicht schildere, muss ich erstmal sagen, dass die Geburt an sich ein unglaublich schönes Gefühl und Erlebnis war. Ich würde von der Geburt her jederzeit wieder Kinder bekommen. Das liegt zuletzt bestimmt auch daran, dass die Atmosphäre und Betreuung im Geburtshaus Essen durch die Hebammen einfach toll war!

Dienstag 25.06.2002
04:22 Uhr:
Ich wurde wach, weil ich zur Toilette musste. Logisch, ich war ja auch hochschwanger! Aber ich hatte keine Lust aufzustehen.

04:43 Uhr:
Diesmal konnte ich nicht liegen bleiben: ich musste zur Toilette.

05:00 Uhr:
Ich lag wieder im Bett und wollte noch weiterschlafen. Aber ich hatte ein starkes Ziehen im Unterleib. Das beunruhigte mich aber zum Glück nicht.

05:45 Uhr:
Christian rührte sich im Bett neben mir. Er hatte sich den Wecker für 06:30 Uhr gestellt, da er arbeiten musste. Ich weckte Christian und sagte: „Du kannst den Wecker ausstellen, Du gehst heute nicht zur Arbeit!“ – „Häääh?“ Was?“
Als er richtig wach war, wurde er aufgeregt und übernahm das Zeitmessen der Wehenabstände. Ich musste ihm sagen, wann eine Wehe begann und wann sie endete, und er nahm dann die Zeit.

07:00 Uhr:
Die Abstände zwischen den Wehen hatten sich auf 4½ - 5 Minuten eingependelt. Also rief ich die „Geburtshotline“ des Geburtshauses Essen an. Hebamme Elli nahm ab und freute sich zu hören, dass unser Baby unterwegs war. Sie fragte mich nach meinem Befinden, und wir verblieben so, dass ich mich wieder melden sollte, wenn die Wehen stärker würden oder ich Betreuung bräuchte / wollte.
Also legte ich mich auf die Couch und zappte durch das TV-Programm.

08:30 Uhr:
Da ich die Wehen im laufen besser ertragen konnte und heute eigentlich der wöchentliche Einkauf anstand, entschlossen wir uns, diesen zu erledigen! Christian und ich gingen also noch einkaufen, u. a. Lebensmittel für unseren Aufenthalt im Geburtshaus.
Wieder zu Hause wusch ich noch Erdbeeren und machte sie essfertig, bis ich meinte, die Wehen seien so stark, dass wir ins Geburtshaus müssten.

09:30 Uhr:
Ich rief erneut die „Geburtshotline“ an, und Hebamme Brigitte ging ans Telefon. Als sie hörte, dass ich alleine nicht mehr zurechtkäme, sagte sie sofort, dass ich zum Geburtshaus kommen solle. Sie sei da und würde uns empfangen. So packten Christian und ich die letzten Lebensmittel ein und fuhren los.

10:00 Uhr:
Brigitte empfing uns im Geburtshaus und untersuchte mich sofort. Sie stellte fest, dass mein Muttermund 4cm geöffnet und sehr straff war. Sie schlug vor, mir ein homöopatisches Zäpfchen zur Muskellockerung zu verabreichen und mich unterstützend in die Badewanne zu setzen. Ich stimmte zu. Vorher musste Christian aber noch Cola kaufen, da ich bisher kaum getrunken hatte und mein Kreislauf auf Trab gehalten werden sollte.
Als Christian wieder da war, begaben wir uns nach oben ins Geburtszimmer. Dort legten wir unsere Sachen ab, und ich stieg in die Badewanne. Brigitte saß dabei und stellte nach einiger Zeit fest, dass ich zwar relativ starke Wehen hatte, diese aber „nur“ 20 Sekunden dauerten und somit für eine Geburt nicht ausreichten. Sie wollte erst mal abwarten, wie Badewanne und Zäpfchen wirkten.
Annette, die Praktikantin des Geburtshauses, gesellte sich uns. Sie organisierte für uns ein Radio und stellte WDR2 ein, da doch heute Deutschland gegen Südkorea bei der WM 2002 spielte!

11:30 Uhr:
Ich hatte keine Lust mehr, in der Badewanne zu sitzen und aufzuweichen. Also zog ich mir wieder ein T-Shirt an, und wir begaben uns ins Geburtszimmer. Dort legte ich mich aufs Bett und veratmete weiter die Wehen. Christian musste mir dabei ins Kreuz drücken, um die Schmerzen erträglicher zu machen.
Irgendwann brühte mir Annette –auf Birgittes Geheiß hin- einen wehenfördernden Tee auf, da meine Wehen immer noch nicht für eine Geburt ausreichten. Ich trank zwei Tassen, während ich im Vierfüßlerstand –auf einem Gymnastikball gestützt- die Wehen ertrug. Brigitte warnte mich vor, dass meine Wehen nun anders und vor allem länger andauernd sein würden:“ Wenn der Tee wirkt, wirst Du schon merken, was ich meine!“

13:30 Uhr:
Anpfiff bei der WM 2002... und ich hatte starke Wehen!
Brigitte fragte, ob ich noch eine Tasse Tee trinken könne. Ich war nicht gerade begeistert: der Tee hatte was weihnachtliches von Zimt und Nelken an sich. Dennoch spülte ich noch schnell eine Tasse runter. Kaum war der Tee in meinem Magen und die Wehe vorüber, merkte ich Übelkeit in mir hochsteigen: „Ich muß mich übergeben!“ Annette stellte mir geistesgegenwärtig den Mülleimer unter die Nase, und Christian hielt mir die Haare fest, während ich mich übergab. Die letzte Tasse Tee schmeckte mir doch nicht so gut!!!
Nun untersuchte mich Brigitte noch mal, denn wenn sich „der Muttermund öffnet, dann öffnet sich auch alles andere“.
Mein Muttermund war nun 7cm geöffnet. Ich lag wieder auf dem Bett und bekam noch ein homöopatisches Zäpfchen zur Lockerung des Muttermundes. Christian lag neben mir im Bett, wofür ich sehr dankbar war. Er hielt die ganze Zeit über meine Hand (oder ich seine!).

Irgendwann wurden meine Wehen so stark und schmerzhaft, dass ich dachte, es nicht mehr aushalten zu können. Ich fragte Brigitte, ob die Schmerzen noch schlimmer würden. Sie verneinte: „Noch schlimmer wird es nicht.“ Das beruhigte mich, und ich hielt durch.

Später dann verspürte ich den Drang bei jeder Wehe pressen zu müssen.
Ich presste, was das Zeug hielt, und schrie mir dabei die Seele aus dem Leib. Ich hätte nie gedacht, dass ich unter der Geburt schreien würde, aber es passierte einfach und tat unheimlich gut! Bei jeder Wehe krallte ich mich an Christians Arm fest, und er stemmte sich dagegen. Zu den Hebammen meinte er, dass er nun nicht mehr Armdrücken gegen mich machen wollte, so kräftig wäre ich! Ich presste und schrie weiter.

Mittlerweile war Hebamme Elli zu uns gestossen. Sie untersuchte mich und stellte fest, dass mein Muttermund vollständig geöffnet war. Aber das Köpfchen des Babys lag noch nicht richtig im Becken. Deshalb sollte ich mich auf die andere Seite legen, um dem Baby zu helfen, den Weg zu finden.

Immer noch war meine Fruchtblase nicht geplatzt und sehr prall. Auf Christians Nachfrage hin erklärte Elli, dass es durchaus Kinder gäbe, die mit intakter Fruchtblase zur Welt kämen.

Ich drehte mich also auf die andere Seite und presste weiter. Die Presswehen empfand ich als sehr angenehm, da sie es mir ermöglichten, aktiv am Geburtsgeschehen mitzuwirken.
Mehrere Wehen später untersuchte mich Brigitte noch mal. Als sie ihre Finger einführte, kam sie wohl unglücklicherweise an die Fruchtblase. Es gab einen lauten Knall, und das Fruchtwasser ergoss sich über das gesamte Bett und Brigitte!!! Sie kommentierte dies mit einem lauten „Scheiße!“. Ich bekam das gar nicht so richtig mit, da ich weiter presste.

Irgendwann sagten Brigitte und Elli mir, dass ich bei der nächsten Wehe kräftig nach unten drücken und zur Unterstützung das Kinn auf die Brust nehmen sollte. Da das bei der nächsten Wehe nicht so doll klappte, musste ich mich auf den Rücken legen. Christian konnte nun den Kopf des Babys erkennen.

Aber auch wie-ein-Käfer-auf-dem-Rücken-liegend ging es nicht so gut voran. Als war ein Wechsel der Geburtsstellung angesagt. Christian saß auf der Bettkante, und ich kniete vor ihm. Hebammen bevorzugen zur Geburt den Vierfüßlerstand! Mir war jede Bewegung zuwider und wäre am liebsten liegengeblieben, aber was tut man nicht alles für´s Baby.... Nach einer Presswehe merkten Brigitte und Elli aber, dass unser Kind so nicht zur Welt kommen würde und zeigten uns eine andere Geburtsstellung: ich saß auf Christians Schoß, wobei er seine Beine leicht öffnete, und stützte mich mit den Füßen auf den Schultern von Brigitte und Annette ab. Zusätzlich hielt ich mich an meinen Kniekehlen fest. Während jeder Wehe musste Christian sich nach vorne beugen, so dass ich automatisch mein Kinn auf die Brust nahm und sehr gut pressen konnte. Zwischendurch sollte ich meine Hand an meine Scheide legen: ich konnte das Köpfchen des Babys fühlen. Es war ganz feucht, weich und wellig, aber ein schönes Gefühl.

Plötzlich hörte ich Brigitte sagen: “Nicht mehr pressen, Carola, nicht mehr pressen! Das Köpfchen ist draußen.“ Ich wunderte mich, wie ich es anstellen sollte, nicht mehr zu pressen, wo ich doch Presswehen hatte.
Dennoch hechelte ich. „Bei der nächsten Wehe drückst Du noch einmal, und Euer Baby ist da.“
Aber mein Körper hatte sich nun überlegt keine Wehe mehr zuzulassen! Also musste ich nach einer Weile einfach so noch mal drücken. Und da lag unser Baby zu unseren Füßen.

Christian ließ mich langsam von seinem Schoß auf den Boden rutschen.
Mein Blick wanderte vom Kopf unseres Babys weiter nach unten, da leuchtete mir rot ein Hodensack in die Augen -> ein Junge.

Wir haben einen Fabian!!!

Nach 18:00 Uhr:
Brigitte wollte sehen, warum ich so stark blutete. Daher musste ich mich auf das Bett legen. Da die Nabelschnur recht kurz war, musste Christian mir auf’s Bett helfen, während Elli unseren Fabian mit hoch hob. Als ich im Bett lag, kam Fabian auf meinen Bauch und Christian lag neben uns.
So konnten wir uns schon einmal beschnuppern!!!

Währenddessen stellten Brigitte und Elli den Grund meiner starken Blutung fest: mein Damm war fast komplett gerissen :-/
Bevor sie aber mit dem Nähen begannen, wurde Fabian abgenabelt, wobei Christian die Nabelschnur durchschnitt. Dann zog Brigitte an der Nabelschnur, um die Plazenta heraus zu holen. Diese war komplett, so dass die Geburt nun vollständig abgeschlossen war.

Zum guten Schluss wurde ich nun von Elli genäht, und Christian wickelte unseren Sohn und machte die ersten Fotos von ihm.
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